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Children First organisiert und finanziert Krankenhausaufenthalte und Operationen im In- und Ausland.

Viele Behandlungen sind aufgrund der technischen und personellen Gegebenheiten in rumänischen Krankenhäusern nur im Ausland durchzuführen. Neben der eigentlichen medizinischen Versorgung kümmert sich Children First auch um Transporte, Reha-Maßnahmen sowie den Auslands-Aufenthalt von Angehörigen der jeweiligen Patienten.

Beispielhaft hierfür sind die “Geschichten von Bianca und Norbika”...
ie.

 
 

 

DIE GESCHICHTE VON BIANCA, Mai 2004
(Text: Sylvia Eibl)

Bianca ist ein wunderschönes, 10 Monate altes Mädchen, das seit ihrer Geburt im Staatl. Krankenhaus Toplitza liegt und vor sich dahinsiecht, bereit zum Sterben. Sie wird mit einem sehr schweren Herzfehler geboren (Transposition der großen Arterien mit Herzklappenstenose etc.), die Ärzte und auch die Statistik geben ihr eine maximale Lebenschance von einem Jahr. Ihr zartes Gesicht ist blau, ihre Finger- und Zehennägel fast schwarz, eine schwere Bronchitis kommt außerdem noch hinzu.

Bianca ist unterentwickelt, von der Größe her ist sie eher 4 Monate. Sie kann nicht greifen, sich nicht aufsetzen, sie "brabbelt" nicht, wie es Babies mit 10 Monaten gerne tun. Ihre Mutter ist 22 Jahre und wohnt in einem Baracken-viertel mit 4 anderen Erwachsenen und einer 3jährigen Nichte auf ca. 30 qm Wohnraum. Durch die schwere Krankheit von Bianca darf sie das Baby nicht nach Hause nehmen, so dass der Kontakt allmählich weniger wird und die Mutter nur noch alle 2 Wochen ihr Kind im Krankenhaus besucht. Und auch bei den Besuchen ist Bianca meistens unter einem Sauerstoffzelt, so dass auch ein Körperkontakt zwischen Mutter und Kind kaum stattfindet.

Das kleine Mädchen bekommt 3 mal am Tag ein Fläschchen Milch, mehr nicht. Keine feste Nahrung, kein püriertes Obst, nur Milch. Sie wiegt 5 Kilo als ich sie das erstemal Anfang Februar in Toplitza sehe. Über den Kontakt zu Herrn Paal, dem Direktor des Waisenhauses in Gheorgheni und seit Januar dieses Jahres auch unser offizieller Helfer in Rumänien, der gleichzeitig der rumänischen Behörde für Kinderschutz angehört, erfahre ich vom Schicksal des kleinen Mädchens. Seine Bitte an uns, dem Mädchen zu helfen, sonst würde es bald sterben, lässt mich über die Krankheit recherchieren und Kontakte zu Spezialisten in Mailand knüpfen. Ende Januar finde ich endlich einen der sehr wenigen Kinder-Herzspezialisten, die diese Fehlbildung operieren können und der bereit ist, dem Mädchen zu helfen. Es ist Prof. Frigola, der in Mailand Kinder aus aller Herren Länder am Herzen operiert und sehr erfolgreich ist. Damit ist alles klar und es gibt keine Zeit mehr zu verlieren. Das Mädchen muß sofort geholt werden.

Als ich im Krankenhaus Toplitza die kleine Bianca zum erstenmal sehe, erschrecke ich. Sie ist wirklich am ganzen Körper blau, ihre Bronchitis lässt sie nur noch röcheln und husten. Viele Gedanken schwirren in meinem Kopf: Was ist, wenn sie mir unterwegs stirbt? Was ist, wenn sie die Operation nicht überlebt? Für einen Moment bekomme ich große Angst. Doch es gibt für mich keine Wahl und für Bianca keine Alternative.

Die behandelnde Kinderärztin auf der Station möchte mir Bianca plötzlich nicht mehr geben, sie sagt, es wäre zu gefährlich, denn entweder würde sie den Transport nicht überleben oder die Operation. Ich müsste warten, bis die Bronchitis abgeheilt ist, obwohl die Mutter die schriftliche Erlaubnis zum Transport und zur Operation gegeben hat. Doch das Ausheilen der Bronchitis kann noch Wochen dauern, und Bianca hat keine Zeit mehr, der OP-Termin in Mailand ist längst festgeschrieben. Ich schaue zu Bianca und sie sieht mich mit Ihren wunderschönen grünen Augen an. Und jetzt kämpfe ich für sie: Ich diskutiere, streite, werde laut, schimpfe, doch zuletzt setze ich mich durch und unterschreibe, dass alles auf meine Verantwortung geht. Endlich habe ich die Kleine auf dem Arm,sie lächelt mich an, jetzt nichts wie weg, der Ambulanzwagen wartet schon auf uns.

Mittlerweile ist es 3.00 Uhr nachts. Wir haben 9 Stunden Autofahrt vor uns, bis wir am Flughafen Bukarest ankommen werden. Am Abend vorher hat es wie wild angefangen zu schneien. Als wir losfahren, liegt eine 20 cm hohe Schneedecke auf der Straße, dazu ein Schneesturm. Die Straßen sind natürlich in Toplitza nicht geräumt, Räumfahrzeuge gibt es nur in den großen Städten. Bei 30-40 Stundenkilometer quälen wir uns mit dem Ambulanzwagen Stunde für Stunde durch die Nacht. Ich habe Bianca fast die ganze Zeit im Arm und gebe ihr mit einer Atemmaske öfters Sauerstoff. Ihre Hustenanfälle werden mit der langen Autofahrt weniger. Alle Stunde bekommt sie ein warmes Milchfläschen zu trinken. Die Sanitäter vorne sind mit der schwierigen Autofahrt in der Dunkelheit beschäftigt, sie kümmern sich kaum um Bianca und mich.

Die Kleine übersteht die Fahrt gut (ich auch, obwohl ich manchmal nicht weiß, ob es mein Herz ist, dass vor Angst und Sorge um Bianca so laut klopft oder die Bässe der Radiomusik, die vorne im Fahrerraum der Sanitäter zu hören sind. Um 12.00 Uhr Mittag sind wir am Flughafen, um 14.00 Uhr in der Luft und um 16.30 Uhr sind wir endlich in Mailand. Auch hier wartet schon ein Ambulanzwagen auf uns. Bianca wird noch am selben Abend eingehend untersucht.

Die darauffolgenden Tage bekommt sie sehr viele Untersuchungen, um festzustellen, inwieweit sie operationsfähig ist. Unser Verein lässt auch die Mutter Julia nachkommen. Wir finden es wichtig, dass der Kontakt zwischen Mutter und Kind gefördert wird und Bianca und die Mutter eine Chance erhalten, zusammenzukommen. Gleichzeitig hat Bianca eine Person im Krankenhaus, die sie pflegt und betreut. Nach einer Woche steht fest: sie kann operiert werden. Zwar kann der Herzdefekt nicht in der Weise behoben werden, dass die Gefäße an ihre richtige Position kommen, jedoch wird eine Art Brücke (Shunt) zwischen den Arterien und Venen gesetzt, so dass nun auch mehr sauerstoffreiches Blut in den Körper gelangt. Die Behebung der Transposition war leider zu dieser Zeit noch nicht möglich, da Bianca aufgrund ihrer Unterentwicklung einfach zu kleine und enge Gefäße hat. Jedoch: Mit dieser ersten Operation, die 4 Stunden dauerte, kann Bianca weiterleben!

Ihre Gesichtsfarbe ist nun rosig, ihre Fingernägel haben nur noch eine schwache bläuliche Einfärbung. Sie lacht über das ganze Gesicht, wenn man sie begrüßt. Mittlerwele bekommt sie auch pürierte Kost, viele Vitamine, aber vor allen Dingen persönliche Betreuung und Liebe. Nach der Operation bleibt sie noch 1 Woche mit der Mutter im Krankenhaus, danach kommen sie 2 Wochen zu mir, bevor es nach Rumänien zurückgeht. In dieser Zeit blühen Mutter und Baby auf. Ich beobachte die beiden, Julia lernt jeden mehr über ihre Tochter, sie lernt auch mehr über die Pflege und Betreuung ihres Kindes. Sie ist eine gute Mutter. Die Umstände wollten es, dass sie ihr Muttersein bisher nicht ausleben konnte und durfte. Jetzt hat sie zum erstenmal die Gelegenheit, frei von Sorgen und Ängsten um ihr Kind eine richtige Mutter für Bianca zu sein. Gegen Ende des Aufenthalts kann Bianca nun Dinge greifen, sie interessiert sich nun sehr für ihre Umwelt und für die Personen um sie herum. Sie hat auch einiges zugenommen.

Am 9. März bringe ich Bianca und ihre Mutter nach Rumänien zurück, mit im Gepäck eine ganze Kinderausstattung, angefangen von Reisebett, Wippe, Kleidung, Kinderwagen, Spielsachen etc bis hin zu Nahrung und Medikamente. Bianca wohnt nun bei der Mutter, zusammen mit den anderen Erwachsenen und der Nichte auf 30qm. Sicherlich nicht die optimale Wohnlösung doch Mutter und Kind sind zusammen und haben nochmal die Chance, von vorn anzufangen, was ihre Beziehung zueinander anbelangt. In einem Jahr circa wird Bianca noch mal in Mailand untersucht und die Chancen stehen gut, dass sie dann so operiert werden kann, dass es keinen Defekt mehr am Herzen gibt. Die insgesamten Operations- und med. Pflegekosten belaufen sich auf 11.000 Euro. Unser Verein wird diese Summe übernehmen, eine Anzahlung an das Krankenhaus wurde bereits von uns geleistet.

Karoly Paal wird alle 2 Wochen Bianca besuchen und kontrollieren, ob sie von der Mutter gut gepflegt wird und ob es Bianca gesundheitlich gut geht.

 
Bianca kurz vor der Abreise nach Italien. Ihre Fingernägel sind blau, ebenso die Gesichtsfarbe. Die Ärzte geben ihr nur noch kurze Zeit zu leben

Die erschöpfte Bianca im Ambulanzwagen

Nächtliche Ankunft in Mailand

Im Mailänder Krankenhaus vor der Operation

Bianca ruht sich nach der schweren Operation im Krankenbett aus

Die lange Operationsnaht an Biancas Oberkörper

Biancas Mutter beim Krankenbesuch

3 Wochen später - Bianca fröhlich und mit Appetit

Mutter und Kind glücklich beim Heimflug
 

DIE GESCHICHTE VON NORBIKA, Januar 2003
(Text: Sylvia Eibl)

Hier ist die Geschichte von Norbika, 6 Jahre, geboren in einem Barackenviertel in Gheorgheni; er wächst zusammen mit anderen 4 Geschwistern auf, alle haben einen anderen Vater. Zusammen leben sie mit 8 Personen einschließlich Großeltern und Lebensgefährte der Mutter auf 20 qm.

Norbika kommt bereits mit einem schiefen Hals und Wirbelsäulenkrümmung zur Welt. Niemand nimmt von der Behinderung Notiz, im Gegenteil: Er wird misshandelt, geschlagen, oft tagelang in eine dunklen Bretterbude bei Wasser und Brot eingesperrt. Der Bürgermeister wird auf den Missstand aufmerksam. Im Februar 2002 werden Norbika und seine Geschwister aus der Familie genommen und in das neu gebaute Waisenhaus Gheorgheni, das unter deutscher Leitung steht, gebracht. Die Mutter darf ihn und seine Geschwister am Wochenende besuchen.

Herr Karoly Paal, der Leiter des Waisenhauses registriert sofort seine Behinderung. Norbikas Gang ist schief und sein Oberkörper krümmt sich seitlich, sein Kopf berührt die Schulter, die anderen Kinder hänseln ihn. Er leidet sehr darunter. Herr Paal und auch die Mutter von Norbika bitten unseren Verein, Norbika zu helfen und ihm eine Operation bei einem Spezialisten zu ermöglichen, bevor Norbika in die Schule kommt. Ziel soll sein, dass Norbika den Kopf gerade halten kann und die Wirbelsäule dadurch wieder gerader wird. Nachdem in Bukarest keine Klinik aufzutreiben ist, die diese Operation bei ihm durchführt, erkundige ich mich an meinem Wohnort Varese in Italien. Da es eine intensive Nachbetreuung braucht, muß es ein Krankenhaus in meiner Nähe sein, damit ich Norbika zu den erforderlichen Untersuchungen bringen und ihn daheim bei mir pflegen kann.

Professor Zatti, ein Spezialist in orthopädischer Chirurgie am Krankenhaus Varese, erklärt sich bereit, Norbika zu operieren.

Unser Verein lässt Norbika am 8.1.03 mit dem Direktor des Waisenhauses nach Mailand fliegen, wo er am nächsten Tag untersucht wird. Am 13.1 wird Norbika in Varese operiert. Die Ärzte haben ihm einen dicken Gipsverband am Oberkörper und Kopf gemacht, damit er sich an die neue Kopfhaltung gewöhnt. Norbika bleibt bis 31.1.03 bei uns zur Pflege. Am 1.2 bringe ich ihn wieder mit dem Flugzeug zurück nach Rumänien in das Waisenhaus.

Norbika ist sehr aufgeregt und freut sich riesig auf die Flugreise und natürlich auf seine Heimkehr (siehe Foto). Die Operation ist erfolgreich verlaufen, Norbika wird den Gips bis Mitte April tragen müssen, danach bekommt er Krankengymnastik einmal die Woche, damit das positive Operationsergebnis verstärkt wird. Niemand wird ihn mehr hänseln, er kann als ganz "normaler" Junge aufwachsen und in die Schule gehen.

 
Norbika wurde mit einem Schiefhals und Wirbelsäulen-Verkrümmung geboren

Der ängstliche Norbiika bei der Voruntersuchung in Mailand

Die Operation beginnt

Ein glücklicher Norbika auf dem Heimflug

Norbika ein Jahr nach seiner Operation