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Seit März 2008 engagiert sich Children First in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation "Humedica" (www.humedica.org) um die Erweiterung, Organisation und Finanzierung eines bereits bestehenden Kindergartens für 300 Flüchtlingskinder zwischen 3 und 6 Jahren im Flüchtlingslager "EL SEREIF" in Nyala, Hauptstadt von Süd Darfur. In diesem Lager leben derzeit ca. 14.500 Flüchtlinge, vor allem Mütter mit Neugeborenen, sowie Kinder und alte Menschen.

Bisher wurde der Kindergarten von einer anderen Hilfsorganisation unterstützt, die sich jedoch zurückgezogen hat und die Finanzierungen für das Jahr 2008 eingestellt hat. Aus diesem Grund hätte der Flüchtlingskindergarten, von dem viele Kinder profitierten, die mit ihren Familien die Schrecken des Kriegs gesehen und miterlebt haben, geschlossen werden müssen. Die Schaffung und Erhaltung von Spielmöglichkeiten und Erziehungseinrichtungen wird jedoch neben der Nahrungsversorgung, der Bereitstellung von Unterkünften und der medizinischen Versorgung als einer der Hauptpfeiler eines internationalen humanitären Engagements angesehen. Da die Situation in Darfur immer noch sehr verzweifelt ist und es bisher kaum Hoffnung gibt, dass sich die Lage in den nächsten Jahren ändern wird, haben wir sofort unsere volle Bereitschaft für die Unterstützung des Kindergartens und für dessen Erweiterung zugesagt, um diesen Kindern die Möglichkeit zu bieten, eine Vorschuleinrichtung zu besuchen. Unsere Hilfsmaßnahmen beinhalten auch die Bereitstellung einer Mahlzeit, bestehend aus nahrhaftem Porridge (Gericht auf Basis von Hafermehl in Wasser) und Brot für die Kinder. Die Kosten für die Einrichtung, die zu unseren Lasten gehen, belaufen sich auf 30.000 Euro pro Jahr. Hinzukommen die Kosten für Schulbücher, Schulhefte und Stifte sowie für didaktisches Spielzeug aus Holz, wobei wir hier fest auf die Unterstützung der sehr bekannten deutschen Firma HABA rechnen, die zum einen für ihre große Solidarität und soziales Engagement, aber auch für ihre wunderschönen und pädagogisch wertvollen Holzspielsachen bekannt sind.

Die Einrichtung bietet den Kindern eine einladende und heitere Umgebung, die ihre harmonische Entwicklung fördert, nach all dem, was sie erlitten haben. Die Lehrer fördern sie in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit, in ihrer Reife, und Autonomie, sowie in ihrer Entwicklung von intellektuellen und praktischen Fähigkeiten. Der Besuch des Kindergartens bietet den Flüchtlingskindern und ihren Familien Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Darüber hinaus haben wir im April 2008 Hilfsmaßnahmen für unterernährte und dehydrierte Kinder eingeleitet, die im Krankenhaus in Nyala in stationärer Behandlung sind. Es handelt sich um Kinder, die mit ihren Familien aus ihren Dörfern geflüchtet sind, die von bewaffneten Milizen (Janjaweed) niedergebrannt wurden. Diese Kinder, zum größten Teil unter 3 Jahren, können derzeit nicht im Flüchtlingslager leben, weil sie zu schwach und krank sind. Wir lassen täglich an sie besonders nahrhaftes Obst verteilen, damit sie schnell wieder an Gewicht zunehmen und gleichzeitig mit lebenswichtigen Vitaminen versorgt werden.

Unsere dritte Hilfsmaßnahme,in Zusammenarbeit mit dem Erziehungsministerium in Nyala, startet im Juli 2008 und sieht die Erbauung einer ca. 90 m² großen Einrichtung in Nyala vor, die als Kindergarten mit spielerischen Aktivitäten für kleine Kinder mit besonderen Bedürfnissen (taubstumme und blinde Kinder, Kinder mit Querschnittslähmungen etc.) dienen wird, um ihnen die Möglichkeit zu geben, an einer Vorschulerziehung teilzunehmen. In vielen Fällen werden diese Kinder nämlich von ihren Eltern in den Wohnungen "versteckt" und haben keinerlei Möglichkeiten nach draußen zu gehen oder sonstwie am sozialen Leben teilzunehmen. Bei einem Großteil dieser Kinder handelt es sich um Flüchtlingskinder, die mit ihren Familien aus den Dörfern geflüchtet sind und nun bei Verwandte in Nyala untergekommen sind. Die Kosten für diesen Bau und Einrichtung belaufen sich für uns auf ca. 35.000 - 40.000 Euro. Für die Ausstattung mit besonderen und didaktischen Spielmaterialien werden wir auch hier an die Fa. HABA herantreten mit der großen Bitte, auch diese Einrichtung mit ihren wertvollen Spielmaterialien auszustatten.

3. April 2008: Die kleine Sara ist heute zu schwach, um sich aufzusetzen. Die Ärzte geben ihr leider nicht große Überlebenschancen

Seit 2003, zu Beginn des Aufstandes im Darfur, wird die Anzahl der Toten auf 200.000 geschätzt, während die Anzahl der Vertriebenen und die Menschen, die in andere Gebiete der Region oder in die Nachbarländer geflüchtet sind, über zwei Millionen beträgt. Darfur, ein riesiges Trockengebiet mit einer Fläche, die annähernd der Frankreichs entspricht, wird von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Traditionen und Methoden zum Verdienen des Lebensunterhalts bewohnt, die jedoch alle der islamische Glaube vereint. Die Baggara, ein Kamelzüchter-Nomadenvolk werden als "Araber" bezeichnet ( und sie bezeichnen sich auch selbst so), während die Stämme der Fur, der Zaghawa und der Massaleit, die als Getreideanbauer tätig sind, als "afrikanisch" bezeichnet werden. Im Unterschied zum Konflikt im Südsudan sind die Ausschreitungen in Darfur also nicht religiösen Ursprungs.

Im Jahr 2003 brechen die Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppen aus, die sich durch die Ressourcenknappheit aufgrund der zunehmenden Dürre und der immer stärkeren Wüstenbildung zuspitzen. Es kommt zur Revolte der afrikanischen Stämme, die der Regierung von Khartoum stets feindlich gegenüberstanden, die beschuldigt wird, die Bedürfnisse des Darfur zu ignorieren und ausschließlich in andere Regionen zu investieren. Die Janjaweed, starke arabische Milizen, initiieren laut verschiedener Quellen von der Regierung des Sudan aus eine Terrorkampagne: Sie befallen die afrikanischen Dörfer, töten Menschen, plündern, vergewaltigen und zünden Dörfer an. Eine Ursache für die Tausenden von Toten und die Flucht von Hunderttausenden von Menschen sind auch die massiven Bombardierungen aus der Luft der Regierung des Sudan.

Seither ist die Situation noch komplizierter geworden, da sie die gesamte Region in einer ansteigenden Spirale der Gewalt mit einbezieht. Der starken Abwanderung der Bevölkerung vom Darfur in den angrenzenden Ciad folgten Wanderungen in die entgegen gesetzte Richtung, mit Arabergruppen aus dem Ciad, die aufgrund des Eintreffens Hunderttausender Afrikaner zur Flucht gezwungen waren. Der Krieg hat die soziale und die materielle Infrastruktur systematisch zerstört und den Großteil der Bevölkerung somit in einer Situation der Verzweiflung und des unbedingten Bedürfnisses nach menschlicher Hilfe zurückgelassen. Tausende Familien wurden dazu gezwungen, sich zu trennen.

Die Menschen sind aus den eigenen Häusern geflüchtet, aus Angst davor, misshandelt zu werden oder von den bewaffneten Milizen der Janjaweed, getötet zu werden. Die Bewohner in Darfur mussten ihre Häuser verlassen, ihr Eigentum wurde geplündert und/oder zerstört, ihre Häuser verbrannt, die Frauen und Mädchen vergewaltigt und die Männer unterschiedslos umgebracht. Es sind darüber hinaus innere Kämpfe unter den verschiedenen Rebellengruppen (mindestens dreizehn) und zwischen Arabergruppen ausgebrochen. Der Konflikt, der anfangs nur auf Darfur begrenzt war, hat sich auf den Tschad und auf die Zentralafrikanische Republik ausgedehnt, und es besteht das hohe Risiko eines Krieges mit den angrenzenden Nachbarstaaten.

Das Überleben der über zwei Millionen Vertriebenen IDP ( = Internally Displaced Person) in den riesigen Flüchtlingslagern hängt fast ausschließlich von den lokalen und internationalen Hilfsorganisationen ab. Die Frauen, gezwungen die Siedlungen täglich zu verlassen, um sich auf die abenteuerliche Suche nach Brennholz zu begeben, sind stets dem Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt. Die Kinder mussten oft bei der Tötung eines Elternteils oder beider zuschauen und alleine gelassen, sind sie noch verletzlicher und hochgradig gefährdet. In den Lagern wird alles gebraucht, von Zelten über Decken, von Überlebens-Kits bis hin zu Medikamenten, doch mit Sicherheit werden auch Schul- und Bildungseinrichtungen gebraucht, in denen die Kinder spielen, lernen und den Schrecken vergessen können

Laut Schätzungen der UNO hat der Konflikt in Darfur bisher über 200.000 Todesopfer gefordert, und während die Gewalt kein Ende nimmt sterben im Darfur immer noch jeden Tag bis zu 50 Kinder unter 5 Jahren an Hunger, Verletzungen und Krankheiten, die zu einem Großteil behandelbar wären und vorgebeugt werden könnte. Derzeit leiden mindestens 4,2 Millionen Menschen (ca. 2/3 der Bevölkerung in Darfur) direkt an den Folgen des Konfliktes. Davon leben 2,2 Millionen in 170 Flüchtlingslagern und weitere 2 Millionen in lokalen Gemeinschaften, die sie aufnehmen. Die Anzahl der vertriebenen Personen im Laufe des Jahres 2007 betrug über 200.000. Die Anzahl der vom Krieg betroffenen Kinder beträgt ca. 2 Millionen, davon sind die Hälfte Flüchtlinge. Paradoxerweise sind die Letztgenannten der Bevölkerungsanteil mit den größten Überlebenschancen, da sie von den Hilfsorganisationen erreicht werden können. Weitere 2,5 Millionen Menschen (davon über 1,25 Millionen Kinder) sind von jeglicher Hilfe abgeschnitten, leben isoliert in ländlichen Gegenden, die von der Regierung oder von den Rebellen kontrolliert werden und gleichzeitig für die Hilfsorganisationen unzugänglich sind. Schließlich sind über 235.000 Menschen (davon ca. die Hälfte Kinder) in den östlichen Ciad geflüchtet, wo sie sich in Flüchtlingslagern jenseits der Grenze aufhalten, in denen es zu immer stärkeren Spannungen aufgrund der immer häufigeren Grenzüberschreitungen der Janjaweed und der mit dem Darfur-Konflikt in Zusammenhang stehenden Spannungen kommt, die zur Auswanderung von über 100.000 Einwohnern des Ost-Tschad beigetragen haben.

 
Mohammed, 14 Monate, seit Wochen im Krankenhaus in Nyala wegen seiner starken Unterernährung

Der Außenplatz des Kindergartens
mit den Kindern

Die kleine Sara, 12 Monate alt, seit 8 Wochen im Spital Nyala, kämpft aufgrund ihrer extremen Unterernährung mit dem Tod.

Vorsitzende Sylvia Eibl im Spital bei der Verteilung des Obstes an die unterernährten Kinder

Ein vierjähriger Junge, der es aufgrund seines dehydrierten Zustandes leider nicht geschafft hat. Nach der Aufnahme dieses Fotos lebte er noch 6 Stunden, dann starb er.

Badur, 7 Jahre, blind aufgrund der jahrelangen mangelhaften Ernährung

Eines der vielen von den arabischen Milizen „janjaweed“ verbrannten Dörfer

Die kleine Mihad Hamid, 1 Jahr alt, die mit ihrer Mutter aus dem Inferno geflüchtet ist: Sie wurde in einem brutalen Angriff der Janjaweed von einer Kugel verletzt, die auch die Lunge der Kleinen schwer verletzte.


Eines der vielen von den arabischen Milizen „janjaweed“ verbrannten Dörfer

Eine Gruppe des Kinder- gartens El Sereif